In der ersten Gestalt der tätigen Vernunft war das Selbstbewußtsein sich reine Individualität, und ihr gegenüber stand die leere Allgemeinheit. In der zweiten hatten die beiden Teile des Gegensatzes jeder die _beiden_ Momente, Gesetz und Individualität, an ihnen; der eine aber, das Herz, war ihre unmittelbare Einheit, der andere ihre Entgegensetzung. Hier, im Verhältnisse der Tugend und des Weltlaufs, sind beide Glieder, jedes Einheit und Gegensatz dieser Momente, oder eine Bewegung des Gesetzes und der Individualität gegeneinander, aber eine entgegengesetzte. Dem Bewußtsein der Tugend ist das _Gesetz_ das _Wesentliche_ und die Individualität das Aufzuhebende, und also sowohl an ihrem Bewußtsein selbst als an dem Weltlaufe. An jenem ist die eigne Individualität in die Zucht unter das Allgemeine, das an sich Wahre und Gute, zu nehmen; es bleibt aber darin noch persönliches Bewußtsein; die wahre Zucht ist allein die Aufopfrung der ganzen Persönlichkeit, als die Bewährung, daß es in der Tat nicht noch an Einzelnheiten festgeblieben ist. In dieser einzelnen Aufopfrung wird zugleich die Individualität an _dem Weltlaufe_ vertilgt, denn sie ist auch einfaches beiden gemeinschaftliches Moment.--In diesem verhält sich die Individualität auf die verkehrte Weise, als sie am tugendhaften Bewußtsein gesetzt ist, nämlich sich zum Wesen zu machen, und dagegen das _an sich_ Gute und Wahre sich zu unterwerfen.--Der Weltlauf ist ferner ebenso für die Tugend nicht nur dies durch die _Individualität verkehrte_ Allgemeine; sondern die absolute _Ordnung_ ist gleichfalls gemeinschaftliches Moment, an dem Weltlaufe nur nicht als _seiende Wirklichkeit_ für das Bewußtsein vorhanden, sondern das _innere Wesen_ desselben. Sie ist daher nicht erst durch die Tugend eigentlich hervorzubringen, denn das Hervorbringen ist, als _Tun_, Bewußtsein der Individualität, und diese vielmehr aufzuheben; durch dieses Aufheben aber wird dem _An-sich_ des Weltlaufs gleichsam nur Raum gemacht, an und für sich selbst in die Existenz zu treten.
Der allgemeine _Inhalt_ des wirklichen Weltlaufs hat sich schon ergeben; näher betrachtet, ist er wieder nichts anders als die beiden vorhergehenden Bewegungen des Selbstbewußtseins. Aus ihnen ist die Gestalt der Tugend hervorgegangen; indem sie ihr Ursprung sind, hat sie sie vor sich; sie geht aber darauf, ihren Ursprung aufzuheben, und sich zu realisieren, oder _für sich_ zu werden. Der Weltlauf ist also einerseits die einzelne Individualität, welche ihre Lust und Genuß sucht, darin zwar ihren Untergang findet, und hiemit das Allgemeine befriedigt. Aber diese Befriedigung selbst sowie die übrigen Momente dieses Verhältnisses ist eine verkehrte Gestalt und Bewegung des Allgemeinen. Die Wirklichkeit ist nur die Einzelnheit der Lust und des Genusses, das Allgemeine aber ihr entgegengesetzt; eine Notwendigkeit, welche nur die leere Gestalt desselben, eine nur negative Rückwirkung und inhaltsloses Tun ist.--Das andere Moment des Weltlaufs ist die Individualität, welche an und für sich Gesetz sein will, und in dieser Einbildung die bestehende Ordnung stört; das allgemeine Gesetz erhält sich zwar gegen diesen Eigendünkel, und tritt nicht mehr als ein dem Bewußtsein Entgegengesetztes und Leeres, nicht als eine tote Notwendigkeit auf, sondern als _Notwendigkeit in dem Bewußtsein selbst_. Aber wie es als die _bewußte_ Beziehung der absolut widersprechenden Wirklichkeit existiert, ist es die Verrücktheit; wie es aber als _gegenständliche_ Wirklichkeit ist, ist es die Verkehrtheit überhaupt. Das Allgemeine stellt sich also wohl in beiden Seiten als die Macht ihrer Bewegung dar, aber die _Existenz_ dieser Macht ist nur die allgemeine Verkehrung.
Von der Tugend soll es nun seine wahrhafte Wirklichkeit erhalten, durch das Aufheben der Individualität, des Prinzips der Verkehrung; ihr Zweck ist, hiedurch den verkehrten Weltlauf wieder zu verkehren und sein wahres Wesen hervorzubringen. Dies wahre Wesen ist an dem Weltlaufe nur erst als sein _An-sich_, es ist noch nicht wirklich; und die Tugend _glaubt_ es daher nur. Diesen Glauben geht sie zum Schauen zu erheben, ohne aber der Früchte ihrer Arbeit und Aufopferung zu genießen. Denn insofern sie _Individualität_ ist, ist sie das _Tun_ des Kampfes, den sie mit dem Weltlaufe eingeht; ihr Zweck und wahres Wesen aber ist die Besiegung der Wirklichkeit des Weltlaufs; die dadurch bewirkte Existenz des Guten ist hiemit das Aufhören ihres _Tuns_, oder des _Bewußtseins_ der Individualität. --Wie dieser Kampf selbst bestanden werde, was die Tugend in ihm erfährt, ob durch die Aufopferung, welche sie über sich nimmt, der Weltlauf unterliege, die Tugend aber siege--dies muß sich aus der Natur der lebendigen _Waffen_ entscheiden, welche die Kämpfer führen. Denn die Waffen sind nichts anderes als das _Wesen_ der Kämpfer selbst, das nur für sie beide gegenseitig hervortritt. Ihre Waffen haben sich hiemit schon aus dem ergeben, was an sich in diesem Kampfe vorhanden ist.
Das _Allgemeine_ ist für das tugendhafte Bewußtsein im _Glauben_ oder _an sich_ wahrhaft; noch nicht eine wirkliche, sondern eine _abstrakte_ Allgemeinheit; an diesem Bewußtsein selbst ist es _als Zweck_, an dem Weltlaufe als _Inneres_. In eben dieser Bestimmung stellt das Allgemeine sich auch an der Tugend für den Weltlauf dar; denn sie _will_ das Gute erst ausführen, und gibt selbst es noch nicht für Wirklichkeit aus. Diese Bestimmtheit kann auch so betrachtet werden, daß das Gute, indem es in dem Kampf gegen den Weltlauf auftritt, damit sich darstellt als seiend _für ein Anderes_; als etwas, das nicht _an und für sich selbst_ ist, denn sonst würde es nicht durch Bezwingung seines Gegenteils sich erst seine Wahrheit geben wollen. Es ist nur erst _für ein Anderes_, heißt dasselbe, was vorher von ihm in der entgegengesetzten Betrachtung sich zeigte, nämlich es ist erst eine _Abstraktion_, welche nur in dem Verhältnisse, nicht an und für sich, Realität hat.
Das Gute oder Allgemeine, wie es also hier auftritt, ist dasjenige, was die _Gaben, Fähigkeiten, Kräfte_ genannt wird. Es ist eine Weise des Geistigen zu sein, worin es als ein Allgemeines vorgestellt wird, das zu seiner Belebung und Bewegung des Prinzips der Individualität bedarf, und in dieser seine _Wirklichkeit_ hat. Von diesem Prinzip, insofern es am Bewußtsein der Tugend ist, wird dies Allgemeine _gut angewendet_, von ihm aber, insofern es am Weltlauf ist, _mißbraucht_; --ein passives Werkzeug, das von der Hand der freien Individualität regiert, gleichgültig gegen den Gebrauch, den sie von ihm macht, auch zur Hervorbringung einer Wirklichkeit mißbraucht werden kann, die seine Zerstörung ist; eine leblose, eigner Selbstständigkeit entbehrende Materie, die so oder auch anders, und selbst zu ihrem Verderben geformt werden kann.
Indem dies Allgemeine dem Bewußtsein der Tugend, wie dem Weltlaufe auf gleiche Weise zu Gebote steht, so ist nicht abzusehen, ob so ausgerüstet die Tugend das Laster besiegen werde. Die Waffen sind dieselben; sie sind diese Fähigkeiten und Kräfte. Zwar hat die Tugend ihren Glauben an die ursprüngliche Einheit ihres Zweckes und des Wesens des Weltlaufes in den Hinterhalt gelegt, welche dem Feinde während des Kampfes in den Rücken fallen, und _an sich_ ihn vollbringen soll; so daß hiedurch in der Tat für den Ritter der Tugend sein eignes _Tun_ und Kämpfen eigentlich eine Spiegelfechterei ist, die er nicht für Ernst nehmen _kann_, weil er seine wahrhafte Stärke darein setzt, daß das Gute _an und für sich selbst_ sei, d.h. sich selbst vollbringe,--eine Spiegelfechterei, die er auch nicht zum Ernste werden lassen _darf_. Denn dasjenige, was er gegen den Feind kehrt, und gegen sich gekehrt findet, und dessen Abnutzung und Beschädigung er sowohl an ihm selbst als seinem Feinde daran wagt, soll nicht das Gute selbst sein; denn für dessen Bewahrung und Ausführung kämpft er; sondern was daran gewagt wird, sind nur die gleichgültigen Gaben und Fähigkeiten. Allein diese sind in der Tat nichts anderes als eben dasjenige individualitätslose Allgemeine selbst, welches durch den Kampf erhalten und verwirklicht werden soll. --Es ist aber zugleich durch den Begriff des Kampfs selbst unmittelbar _bereits verwirklicht_; es ist das _An-sich_, das _Allgemeine_; und seine Verwirklichung heißt nur dieses, daß es _zugleich für ein Anderes_ sei. Die beiden oben angegebenen Seiten, nach deren jeder es zu einer Abstraktion wurde, _sind nicht mehr getrennt_, sondern in und durch den Kampf ist das Gute auf beide Weisen zumal gesetzt.--Das tugendhafte Bewußtsein tritt aber in den Kampf gegen den Weltlauf als gegen ein dem Guten Entgegengesetztes; was er ihm hierin darbietet, ist das Allgemeine, nicht nur als abstraktes Allgemeines, sondern als ein von der Individualität belebtes und für ein Anderes seiendes, oder das _wirkliche Gute_. Wo also die Tugend den Weltlauf anfaßt, trifft sie immer auf solche Stellen, die die Existenz des Guten selbst sind, das in alle Erscheinung des Weltlaufs, als das _An-sich_ des Weltlaufs, unzertrennlich verschlungen ist, und in der Wirklichkeit desselben auch sein Dasein hat; er ist also für sie unverwundbar. Ebensolche Existenzen des Guten, und hiemit unverletzliche Verhältnisse, sind alle Momente, welche von der Tugend selbst an ihr darangesetzt und aufgeopfert werden sollten. Das Kämpfen kann daher nur ein Schwanken zwischen Bewahren und Aufopfern sein; oder vielmehr kann weder Aufopferung des Eignen noch Verletzung des Fremden stattfinden. Die Tugend gleicht nicht nur jenem Streiter, dem es im Kampfe allein darum zu tun ist, sein Schwert blank zu erhalten, sondern sie hat auch den Streit darum begonnen, die Waffen zu bewahren; und nicht nur kann sie die ihrigen nicht gebrauchen, sondern muß auch die des Feindes unverletzt erhalten und sie gegen sich selbst schützen, denn alle sind edle Teile des Guten, für welches sie in den Kampf ging.
Diesem Feinde dagegen ist nicht das _An-sich_, sondern die _Individualität_ das Wesen; seine Kraft also das negative Prinzip, welchem nichts bestehend und absolut heilig ist, sondern welches den Verlust von allem und jedem wagen und ertragen kann. Hiedurch ist ihm der Sieg ebensosehr an ihm selbst gewiß als durch den Widerspruch, in welchen sich sein Gegner verwickelt. Was der Tugend _an sich_ ist, ist dem Weltlaufe nur für _ihn_; er ist frei von jedem Momente, das für sie fest und woran sie gebunden ist. Er hat ein solches Moment dadurch, daß es für ihn nur als ein solches gilt, das er ebensowohl aufheben als bestehen lassen kann, in seiner Gewalt; und damit auch den daran befestigten tugendhaften Ritter. Dieser kann sich davon nicht als von einem äußerlich umgeworfenen Mantel loswickeln und durch Hinterlassung desselben sich frei machen; denn es ist ihm das nicht aufzugebende Wesen.
Was endlich den Hinterhalt betrifft, aus welchem das _gute An-sich_ dem Weltlaufe listigerweise in den Rücken fallen soll, so ist diese Hoffnung an sich nichtig. Der Weltlauf ist das wache seiner selbst gewisse Bewußtsein, das nicht von hinten an sich kommen läßt, sondern allenthalben die Stirne bietet; denn er ist dieses, daß alles _für ihn_ ist, daß alles _vor ihm_ steht. Das gute _An-sich_ aber, ist es _für_ seinen Feind, so ist es in dem Kampfe, den wir gesehen haben; insofern es aber nicht _für ihn_, sondern _an sich_ ist, ist es das passive Werkzeug der Gaben und Fähigkeiten, die wirklichkeitslose Materie; als Dasein vorgestellt, wäre es ein schlafendes und dahinten, man weiß nicht wo, bleibendes Bewußtsein.
Die Tugend wird also von dem Weltlaufe besiegt, weil das abstrakte, unwirkliche _Wesen_ in der Tat ihr Zweck ist, und weil in Ansehung der Wirklichkeit ihr Tun auf _Unterschieden_ beruht, die allein in den _Worten_ liegen. Sie wollte darin bestehen, durch _Aufopferung der Individualität_ das Gute zur _Wirklichkeit_ zu bringen, aber die Seite der _Wirklichkeit_ ist selbst nichts anders als die Seite der _Individualität_. Das Gute sollte dasjenige sein, was _an sich_ und dem, was _ist_, entgegengesetzt ist, aber das _An-sich_ ist, nach seiner Realität und Wahrheit genommen, vielmehr das _Sein selbst_. Das _An-sich_ ist zunächst die _Abstraktion des Wesens_ gegen die Wirklichkeit; aber die Abstraktion ist eben dasjenige, was nicht wahrhaft, sondern nur _für das Bewußtsein_ ist; das heißt aber, es ist selbst dasjenige, was _wirklich_ genannt wird; denn das Wirkliche ist, was wesentlich _für ein Anderes_ ist, oder es ist das _Sein_. Das Bewußtsein der Tugend aber beruht auf diesem Unterschiede des _An-sich_ und des _Seins_, der keine Wahrheit hat.--Der Weltlauf sollte die Verkehrung des Guten sein, weil er die _Individualität_ zu seinem Prinzip hatte; allein diese ist das Prinzip der _Wirklichkeit_; denn eben sie ist das Bewußtsein, wodurch das _Ansichseiende_ ebensosehr _für ein Anderes_ ist; er verkehrt das Unwandelbare, aber er verkehrt es in der Tat aus dem _Nichts der Abstraktion in das Sein der Realität_.
Der Weltlauf siegt also über das, was die Tugend im Gegensatze gegen ihn ausmacht; er siegt über sie, der die wesenlose Abstraktion das Wesen ist. Er siegt aber nicht über etwas Reales, sondern über das Erschaffen von Unterschieden, welche keine sind, über diese pomphaften Reden vom Besten der Menschheit und der Unterdrückung derselben, von der Aufopferung fürs Gute und dem Mißbrauche der Gaben; --solcherlei ideale Wesen und Zwecke sinken als leere Worte zusammen, welche das Herz erheben und die Vernunft leer lassen; erbauen, aber nichts aufbauen; Deklamationen, welche nur diesen Inhalt bestimmt aussprechen, daß das Individuum, welches für solche edle Zwecke zu handeln vorgibt und solche vortreffliche Redensarten führt, sich für ein vortreffliches Wesen gilt,--eine Aufschwellung, welche sich und andern den Kopf groß macht, aber groß von einer leeren Aufgeblasenheit.--Die antike Tugend hatte ihre bestimmte sichere Bedeutung, denn sie hatte an der _Substanz_ des Volks ihre _inhaltsvolle Grundlage_, und ein _wirkliches schon existierendes_ Gutes zu ihrem Zwecke; sie war daher auch nicht gegen die Wirklichkeit als eine _allgemeine Verkehrtheit_ und gegen einen _Weltlauf_ gerichtet. Die betrachtete aber ist aus der Substanz heraus, eine wesenlose Tugend, eine Tugend nur der Vorstellung und der Worte, die jenes Inhalts entbehren.--Diese Leerheit der mit dem Weltlaufe kämpfenden Rednerei würde sich sogleich aufdecken, wenn gesagt werden sollte, was ihre Redensarten bedeuten;--sie werden daher _als bekannt vorausgesetzt_. Die Forderung, dies Bekannte zu sagen, würde entweder durch einen neuen Schwall von Redensarten erfüllt, oder ihr die Berufung auf das Herz entgegengesetzt, welches _innerhalb_ es sage, was sie bedeuten, das heißt, die Unvermögenheit, _es in der Tat_ zu sagen, würde eingestanden.--Die Nichtigkeit jener Rednerei scheint auch auf eine bewußtlose Art für die Bildung unsers Zeitalters Gewißheit erlangt zu haben; indem aus der ganzen Masse jener Redensarten und der Weise, sich damit aufzuspreizen, alles Interesse verschwunden ist; ein Verlust, der sich darin ausdrückt, daß sie nur Langeweile machen.
Das Resultat also, welches aus diesem Gegensatze hervorgeht, besteht darin, daß das Bewußtsein die Vorstellung von einem _an sich_ Guten, das noch keine Wirklichkeit hätte, als einen leeren Mantel fahren läßt. Es hat in seinem Kampfe die Erfahrung gemacht, daß der Weltlauf so übel nicht ist, als er aussah; denn seine Wirklichkeit ist die Wirklichkeit des Allgemeinen. Es fällt mit dieser Erfahrung das Mittel, durch _Aufopferung_ der Individualität das Gute hervorzubringen, hinweg; denn die Individualität ist gerade die _Verwirklichung_ des Ansichseienden; und die Verkehrung hört auf, als eine Verkehrung des Guten angesehen zu werden, denn sie ist vielmehr eben die Verkehrung desselben als eines bloßen Zwecks in die Wirklichkeit; die Bewegung der Individualität ist die Realität des Allgemeinen.
In der Tat ist hiemit aber ebenso dasjenige besiegt worden und verschwunden, was als _Weltlauf_ dem Bewußtsein des Ansichseienden gegenüberstand. Das _Für-sich-sein_ der Individualität war daran dem Wesen oder Allgemeinen entgegengesetzt, und erschien als eine von dem _An-sich-sein_ getrennte Wirklichkeit. Indem aber sich gezeigt hat, daß die Wirklichkeit in ungetrennter Einheit mit dem Allgemeinen ist, so erweist sich das _Für-sich-sein_ des Weltlaufs ebenso, wie das _An-sich_ der Tugend nur eine _Ansicht_ ist, auch nicht mehr zu sein. Die Individualität des Weltlaufs mag wohl nur _für sich_ oder _eigennützig_ zu handeln meinen; sie ist besser, als sie meint, ihr Tun ist zugleich _ansich_seiendes, _allgemeines_ Tun. Wenn sie eigennützig handelt, so weiß sie nur nicht, was sie tut, und wenn sie versichert, alle Menschen handeln eigennützig, so behauptet sie nur, alle Menschen haben kein Bewußtsein darüber, was das Tun ist.--Wenn sie _für sich_ handelt, so ist dies eben die Hervorbringung des nur erst _Ansich_seienden zur Wirklichkeit; der Zweck des _Für-sich-seins_ also, der dem An-sich sich entgegengesetzt meint--seine leere Pfiffigkeit, sowie seine feinen Erklärungen, die den Eigennutz überall aufzuzeigen wissen, sind ebenso verschwunden als der Zweck des _An-sich_ und seine Rednerei.
Es ist also _das Tun und Treiben der Individualität Zweck an sich selbst; der Gebrauch der Kräfte, das Spiel ihrer Äußerungen ist es_, was ihnen, die sonst das tote An-sich wären, Leben gibt, das An-sich nicht ein unausgeführtes, existenzloses und abstraktes Allgemeines, sondern es selbst ist unmittelbar diese Gegenwart und Wirklichkeit des Prozesses der Individualität.