William Shakespeare
Sonette
Übersetzung: Max Josef Wolff
- 001 Wir wünschen Blüte der Vollkommenheit
- 002 Wenn vierzig Winter deine Stirne drücken
- 003 Blick' in den Spiegel, mahne dein Gesicht
- 004 Nutzlose Schönheit, immer sinnst du nur
- 005 Die Stunde, die mit stillem Fleiß gewebt
- 006 Laß nicht des Winters rauhe Hand verderben
- 007 Sieh, wenn im Ost sein Haupt im Strahlenkranz
- 008 Du bist Musik dem Ohr, und doch zur Last
- 009 Ist es die Furcht, die ledig dich erhält
- 010 O Schmach, daß du nicht liebst, gesteh es ein
- 011 So schnell als du verwelkst, wirst du erstehn
- 012 Zähl' ich die Glocke, die die Stunde kündet
- 013 Wärst du dein eigen, doch du bist nur dein
- 014 Nicht les' ich in der Sterne Schicksalsbuch
- 015 Bedenke ich, wie alles hier im Leben
- 016 Doch warum suchst du besser nicht zu schirmen
- 017 Wird Glauben wohl dereinst mein Lied erwecken
- 018 Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?
- 019 Allmächt'ge Zeit, des Löwen Pranke schwächen
- 020 Dir schuf Natur ein Frauenangesicht
- 021 Nicht jener Muse ähnelt mein Gedicht
- 022 Dem Spiegel glaub' ich nimmer meine Jahre
- 023 Wie voller Angst ein schlechter Komödiant
- 024 Mein Auge hat als Maler in dem Schrein
- 025 Laß die, die in der Gunst der Sterne leben
- 026 Herr meiner Liebe, dem ich untertan
- 027 Erschöpft werf' ich mich auf mein Lager nieder
- 028 Wie kann ich denn zu altem Frohsinn kehren
- 029 Wenn ich, zerfallen mit Geschick und Welt
- 030 Wenn zu dem Rate der Gedanken kehren
- 031 Die Herzen alle sind in deiner Brust
- 032 Wenn du allein zurückgeblieben bist
- 033 Stolz ging schon oft der junge Morgen auf
- 034 Warum versprachst du einen schönen Tag
- 035 Nicht klage mehr um das, was du verübt
- 036 Laß mich gestehn, daß wir uns trennen müssen
- 037 So wie ein greiser Vater mit Entzücken
- 038 Wie wär' des Stoffes meine Muse bar
- 039 Wie soll ich feiern dich in rechter Weise?
- 040 Nimm alle, die ich liebe, allesamt!
- 041 Die kleinen Sünden, die dein loser Sinn
- 042 Daß du sie hast, ist nicht mein größter Schmerz
- 043 Klar seh' ich erst, wenn sich mein Auge schließt
- 044 Wär' meines Körpers schwerer Stoff Gedanke
- 045 Doch zarte Luft und lautres Feuer wanken
- 046 Mein Herz und Auge sind sich tödlich feind
- 047 Nun ist der Friede wieder eingekehrt
- 048 Wie sorgsam barg ich allen meinen Tand
- 049 Für jene Zeit, falls je die Zeiten nahn
- 050 Wie müde zieh' ich meinen Pfad von hinnen
- 051 So kann die Liebe, geht es fort von dir
- 052 Dem Reichen gleich' ich, dessen Schlüssel kann
- 053 Aus welchem Stoffe bist du nur gediehn
- 054 Oh, wie gefälliger wird alle Pracht
- 055 Kein Marmor und kein goldnes Fürstenmal
- 056 Erneue, süße Liebe, deine Macht
- 057 Dein Sklave bin ich, nimmer darf ich ruhn
- 058 Der Gott, der mich zu deinem Knecht gemacht
- 059 Wenn alles da war, wenn nichts Neues lebt
- 060 Wie Well' auf Welle an den Felsenstrand
- 061 Ist es dein Wunsch, daß in der bangen Nacht
- 062 In sünd'ger Eigenliebe ist entbrannt
- 063 Einst ist mein Freund gebrochen und zerzaust
- 064 Seh' ich zertrümmert von der Zeiten Hand
- 065 Wenn Erz und Stein dem Todeswerk der Zeit
- 066 Des Todes Ruh' ersehn' ich lebensmüd
- 067 Warum soll er in der Verpestung leben
- 068 So ist sein Bild ein Blatt aus alten Tagen
- 069 Dein Bild, das sich dem Blick der Welt entrollt
- 070 Nicht deine Schuld ist's, wenn die Welt dich schmäht
- 071 Nicht länger traure du um meinen Tod
- 072 Daß nicht die Welt dich frage, was es war
- 073 Die Zeit des Jahres magst in mir du sehn
- 074 Doch sei getrost! Wenn mich der harte Spruch
- 075 Du bist der Seele, was dem Leib das Brot
- 076 Was bleiben allen neuen Reizen fern
- 077 Der Spiegel zeigt, wie deine Reize bleichen
- 078 Sooft ich dich als Muse angefleht
- 079 Als ich alleine deine Gunst errang
- 080 Oh, wie verzagt bin ich, von dir zu singen
- 081 Erlebe ich's, die Grabschrift dir zu schreiben
- 082 Vermählt bist du mit meiner Muse nicht
- 083 Mir warst du immer schön genug, so habe
- 084 Wer sagt das Höchste? Was bedeutet mehr
- 085 Es hüllt sich meine Muse fromm in Schweigen
- 086 War es das stolze Segel seiner Lieder
- 087 Leb' wohl, du stehst zu hoch für mich im Wert
- 088 Kommt dir die Laune an, mich preiszugeben
- 089 Sag', du verließest mich um ein Vergehn
- 090 So hass' mich, wenn du willst, doch hass' mich jetzt!
- 091 Der rühmt sein Geld, ein andrer seinen Stand
- 092 Doch tu dein Schlimmstes, wende dich von mir
- 093 So soll ich leben und dich treu vermeinen
- 094 Wer, von der Macht zu schaden nicht verführt
- 095 Wie machst du selbst die Schande liebenswert
- 096 Die tadeln deine Keckheit, deine Jugend
- 097 Wie glich dem Winter doch die Trennungszeit
- 098 Von dir getrennt war ich zur Frühlingszeit
- 099 Dem kecken Veilchen hab' ich so gedroht
- 100 Wo bist du, Muse, die vergaß, zu preisen
- 101 Wie, Muse, willst du deine Säumnis sühnen?
- 102 Stark wuchs die Liebe, und es trügt der Schein
- 103 Wie arm ist doch, was meine Muse bringt
- 104 Für mich, Geliebter, wirst du niemals alt!
- 105 Ihr sollt mein Herz des Götzendienstes nicht
- 106 Wenn Chroniken aus längst vergangnen Tagen
- 107 Nicht eigne Furcht noch der Prophetenwahn
- 108 Was kann das Hirn in Tintenzeichen künden
- 109 Nein, falsch von Herzen darfst du mich nicht nennen
- 110 Weh mir! 's ist wahr, ich bin umhergetollt
- 111 Oh, meinetwegen grollst du dem Geschick
- 112 Dein Mitleid deckt das Mal in Liebe zu
- 113 Mein Auge ist, seitdem ich von dir schied
- 114 Ob sich mein Geist, gekrönt von deinem Licht
- 115 Es log mein Lied, als ich dir einst gestand
- 116 Dem festen Bund getreuer Herzen soll
- 117 Verklage mich, daß alles ich vertat
- 118 Wie man, um seine Essenslust zu mehren
- 119 Wieviel Sirenentränen schlürft' ich ein
- 120 Daß du dich lieblos einst erwiesen hast
- 121 's ist besser, schlecht zu sein, als schlecht zu scheinen
- 122 Das kleine Blatt, die Gabe deiner Hand
- 123 Nie prahlst du, Zeit, ich wäre wandelbar
- 124 Wär' meine Liebe nur des Zufalls Sproß
- 125 Soll gleich dem Baldachin mein Lied nur sein
- 126 O du geliebter Knabe, dessen Hand
- 127 Schwarz galt für schön nicht in der alten Zeit
- 128 Wie oft, mein Herz, wenn du die Tasten rührst
- 129 Des Geistes Sturz in unermeßne Schmach
- 130 Der Liebsten Aug' ist nicht wie Sonnenschein
- 131 So grausam bist du, als käm' dieses Recht
- 132 Ich liebe deine Augen, die mir Armem
- 133 Verflucht das Herz, das mir das Herz zerschnitt
- 134 Ja, er ist dein, ich sprach es endlich aus
- 135 Wie andern ihre Wünsche, so ward dir
- 136 Wenn dich dein Herze schilt, ich sei zu dreist
- 137 Was tust du, Liebe, blinder Narr, mit mir
- 138 Wenn meine Liebe schwört, sie sei mir treu
- 139 Beruf mich nicht, Entschuldigung zu sagen
- 140 Sei klug so, wie du grausam bist, und bringe
- 141 Fürwahr, ich lieb' dich mit den Augen nicht
- 142 Mein Fehl ist Liebe, deine Tugend Haß
- 143 Wie eine gute Hausfrau unverweilt
- 144 Zwei Geister hab' ich trost- und qualenreich
- 145 "Ich hasse", sprach der Lippen Paar
- 146 Du Kern des sünd'gen Staubes, arme Seele
- 147 Die Liebe brennt wie Fieber und verlangt
- 148 Weh mir! Was hat die Liebe in mein Haupt
- 149 Ich liebe dich nicht, sagst du grausam mir
- 150 Durch welche Macht ward diese Allmacht dein
- 151 Lieb' ist zu jung und weiß noch nichts von Sünde
- 152 Meineid ist meine Liebe, wie du weißt
- 153 Kupido ließ, als er entschlummert war
- 154 Der kleine Liebesgott lag einst im Schlaf